Innovationspreis InfraWatt 2026: Wärmenetze erfinden die Energiewende neu
Anlässlich des Fernwärmeforums 2026 verlieh InfraWatt den Innovationspreis 2026 – Wärmenetze, mit dem Projekte ausgezeichnet werden, die die technischen und konzeptionellen Grenzen von Wärmenetzen erweitern und entscheidend zur Dekarbonisierung der Wärme- und Kälteversorgung in der Schweiz beitragen.
In diesem Jahr wurden drei Projekte ausgezeichnet, die die Vielfalt der möglichen Kontexte und Lösungen veranschaulichen: Von Grossstädten über historische Gemeinden bis hin zu bahnbrechenden technologischen Innovationen.
CoolCity: Erneuerbare Wärme und Kälte im Herzen der Stadt
Das Projekt CoolCity zeigt, wie die Herausforderungen einer Grossstadt überwunden werden können, um eine nachhaltige Energieinfrastruktur im grossen Massstab aufzubauen. CoolCity ist Teil des umfangreichen Programms zum Ausbau der Energienetze der Stadt Zürich. Sie umfasst Investitionen von über 300 Millionen Franken und basiert auf einer komplexen Planung, an der mehrere hundert Akteure beteiligt sind.
Das Netz liefert etwa 50 MW Wärme und 30 MW Kälte, die von Wärmepumpen erzeugt werden, die das Seewasser als erneuerbare Energiequelle nutzen. Um dies zu erreichen, mussten grundsätzliche Herausforderungen bewältigt werden, mit denen die Betreiber von Wärmenetzen derzeit in der ganzen Schweiz konfrontiert sind:
- Platz unter der Erde: Die Umsetzung des Projekts erfordert spezielle unterirdische Bauwerke, darunter Mikrotunnel, um sich in ein dichtes Stadtgefüge zu integrieren, ohne die bestehende Infrastruktur zu beeinträchtigen. Die Entscheidung von ewz, eine „Etage” unterhalb der bestehenden Infrastruktur zu bauen, ist mit zusätzlichen technischen Herausforderungen verbunden, hat aber die Umsetzung des Projekts erst ermöglicht.
- Ein begleiteter Übergang für die Kunden: Das Projekt ermöglicht die Umstellung von individuellen Gasheizungen auf Heizungen, die über das Wärmenetz versorgt werden. Um die Kunden bei diesem Übergang bestmöglich zu begleiten, hat ewz ein groß angelegtes Kommunikationsprojekt mit einer interaktiven Online-Plattform ins Leben gerufen.
- Einbeziehung des künftigen Kühlbedarfs: Zudem wurde der zukünftige Kühlbedarf in die Planungen miteinbezogen. Dies ist wichtig für eine nachhaltige Planung, da sich die globale Erwärmung vor allem auf den zukünftigen Kühlbedarf auswirkt.
Bravo an ewz und das Projektteam:
David Füllemann, Claudia Dombierer, Alina Peters, Dante Venafro
CAD Grandvaux: Dekarbonisierung der Wärmeversorgung in einem UNESCO-Weltkulturerbe
Das Projekt CAD Grandvaux zeigt, dass es möglich ist, die Wärmeversorgung auf kleinstem Raum in einem historischen, von der UNESCO geschützten Zentrum zu dekarbonisieren. Das Netz versorgt 67 Gebäude mit etwa 2,3 GWh pro Jahr, dank einer dezentralen Konzeption auf der Grundlage gemeinschaftlich genutzter geothermischer Quellen.
Durch langfristige Planung und Simulation konnten das Feld der Erdwärmesonden optimiert, die Investitionskosten gesenkt und sowohl der Wärme- als auch der Kältebedarf mit optimiertem Einsatz von Pumpen gedeckt werden.
Dieser innovative Ansatz bietet eine Lösung für die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung in einem Gebiet, in dem der Bau von konventionellen Wärmenetzen zu kostspielig und damit unmöglich zu realisieren wäre und in dem individuelle Lösungen nötig sind.
Bravo an Ström und Planeto:
Thomas Söderström, Jonathan Chambers, PhD, Stefano Cozza, Giulia Ruggeri
Erneuerbare Wärme für Freiburg: CO₂ als Wärmeträger
Mit dem Projekt „Erneuerbare Wärme für Freiburg” führen Groupe E und ExerGo ein innovatives Wärmenetz ein, das CO₂ als Energieträger nutzt. Das Heizkraftwerk im Industriegebiet Englisberg nutzt die Wärme des Sees für eine Leistung von 18 MW und eine Jahresproduktion von rund 55 GWh. Der Höhenunterschied zwischen dem Kraftwerk und den Verbrauchern ist beträchtlich. Durch die Verwendung von CO₂ können die Investitions- und Betriebskosten für die Verbindung zwischen der Wärmequelle und dem Wärmenetz der Stadt Freiburg gesenkt werden.
Bravo an Groupe E und ExerGo:
Pascal Abbet, Alberto Mian, Philippe von Holzen, Guillaume Cuvillier
Innovation im Dienste der Energiewende
Mit dem Innovationspreis InfraWatt 2026 würdigt InfraWatt Projekte, die konkret zeigen, wie Fernwärmenetze die Herausforderungen der Erweiterung, Verdichtung und Dekarbonisierung bewältigen können, mit denen sie konfrontiert sind. Die ausgezeichneten Projekte verbinden Innovationsmut, Zusammenarbeit zwischen den Akteuren und eine langfristige Vision, um konkrete Lösungen für die täglichen Herausforderungen der Regionen anzubieten.


